Wäre ja auch zu schön gewesen, um wahr zu sein. Ich hätte mich schon beinahe darüber gefreut, wieder eine kostengünstige ”Schmalband”-Flatrate verwenden zu dürfen, bis mir nun nach einmonatiger Nutzung folgende Nettigkeit auf der Arcor Internet by Call flatrate-Anmeldeseite begegnet ist:

Anmeldung abgebrochen
Lieber Kunde,

vielen Dank für Ihr Interesse an der Arcor-Internet by Call flatrate.

Leider sind Sie uns in der Vergangenheit durch Ihre weit überdurchschnittliche Flatrate-Nutzung aufgefallen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Ihnen deswegen diesen Tarif nicht mehr anbieten können.

Wir empfehlen Ihnen daher, unsere günstigen (!) Basistarife zu nutzen. [...]

Ihr Arcor Team

Mal im Ernst: Wenn es keine Flatrate ist, dann sollte man sie auch nicht als solche anbieten. Natürlich bewundere ich Arcor’s Engagement (wenn es denn wirklich ernst gemeint ist) für unfreiwillige DSL-Vergessene wie mich auf der einen Seite, keine Frage, auf der anderen ist es in dieser Umsetzung aber nunmal einfach keine Flatrate und somit nicht mehr als eine weitere unseriöse Täuschung (und von der automatischen 2-Stunden-Trennung will ich mal gar nicht anfangen). Ich überlege tatsächlich, ob ich meinen gut bezahlten DSL-Anschluss in Aachen nicht zu einem anderen Anbieter verlege, der mich nicht am einen Standort nach Gutdünken aus dem Internet aussperrt und am anderen weiterhin gerne meine Gebühren einsackt. Na vielen Dank.

Wieviele Menschen in diesem doch so fortschrittlichen Land müssen immer noch mit 64k-ISDN oder gar mit einem 56k-Modem durch die Gegend gurken, können nicht anständig im Internet arbeiten und müssen auf sämtliche Webseiten mit größeren Bild- oder Videoangeboten verzichten (oder nach einer 2-3 Stunden Ladezeit für den notwendigen 50MB großen Grafiktreiber nach dem X. Verbindungsabbruch wahnsinnig werden) und dafür geschätzt den 12-fachen Preis für eben diese mindestens 12-fach langsamere Internetverbindung berappen.

Schön, dass die T-Com nun nach knapp einem Jahrzehnt beschlossen hat, den “ländlichen” DSL-Ausbau wieder fortzusetzen (Subventionierung sei Dank). Trotzdem glaube ich nicht daran, dass dieser Ort, diese halbe Straße oder eher sogar dieser Häuserblock jemals ans DSL-Netz angeschlossen wird.

Jaja, wen kümmert’s schon, wenn eine Hand voll Leute, die beruflich oder schulisch auf das Internet angewiesen sind, aufgrund von mittelalterlicher Technik und total durchdachter Firmenpolitik niemals die gleichen Chancen haben werden, wie diejenigen, die 100 Meter entfernt rundherum wohnen. Immerhin gibt’s ja eine 64k-ISDN-Flatrate für rund 90€ im Monat (zum Vergleich: 250x schnelleres 16000k DSL gibt’s ab gut 20€). Also was bleibt: Internet haben wollen und nicht bekommen oder teuer für den letzten Müll bezahlen. Tolle Firmenpolitik, nur aus dem Grunde keine erschwinglichen ISDN-Tarife anzubieten, um möglichst viele Leute für den DSL-Zug zu gewinnen – auf den Rest wird einfach geschissen. Ist ja nicht so, als würde sowieso niemand mehr freiwillig möglichst teures “ich hätte gerne nur ein ganz klein Bisschen”-Internet kaufen.

Kurzer Exkurs: Wie muss man sich den denn vorstellen, diesen - wie hieß er gleich – Schmalbandsurfer?

Der durchschnittliche Schmalbandsurfer kann nach jedem Klick auf einer Webseite vom Stuhl aufstehen und im Schnitt gemütlich 5 Runden um selbigen herum gehen, ohne etwas zu verpassen.

Der durchschnittliche Schmalbandsurfer verwendet keine aktuelle Antiviren-Software. Nicht etwa, weil er dumm oder zu sorglos ist – nein, weil ein Update der Virendefinitionsdatei über das Internet 10 Minuten dauern würde und er dafür entweder in dieser Zeit Besseres zu tun hat oder er nach dem 100. Update verzweifelt den Virenschutz wieder deinstalliert.

Der durchschnittliche Schmalbandsurfer entwickelt den Reflex, Fenster, die sich automatisch auf dem Desktop öffnen, ohne großes Zögern wegzuklicken, da sie möglicherweise ein Update starten könnten.

Der durchschnittliche Schmalbandsurfer verwendet keinen Mozilla Firefox, es sei denn, er weiß ganz genau, welche Hebel er zum Deaktivieren aller Updates umlegen muss, damit er sich nicht einmal die Woche die Frage stellen muss, ob die ISDN-Karte schon wieder defekt ist.

Der durchschnittliche Schmalbandsurfer hat bisher kaum etwas vom Internet gesehen, wenn er Microsoft Windows verwendet, es sei denn, er weiß wie er die automatischen Updates und die Fehlerberichterstattung deaktiviert. Nur der ganz harte Kern lässt den PC jeden Mittwoch für 1-2 Stunden unbeaufsichtigt.

Der durchschnittliche Schmalbandsurfer hat zuhause noch nie einen Youtube-Film geschaut. Er hat es jedoch schon 100 mal probiert.

Der durchschnittliche Schmalbandsurfer benötigt ebenso lange zum Anschauen der neuesten Partyfotos, wie er auch Zeit auf der Party verbracht hat.

Der durchschnittliche Schmalbandsurfer spielt nicht im Internet, es sei denn, er besitzt sowohl eine Internet-fähige Spielesammlung aus den Zeiten, zu denen es noch keine Breitbandverbindungen gab als auch einen Freund, der die gleiche Spielesammlung und das gleiche Schicksal teilt.

Der durchschnittliche Schmalbandsurfer hat beim Chatten wortwörtlich immer das letzte Wort.

Nunja, geh ich halt aus Frustration und zum Zeitvertreib auf der Straße randalieren - ich bin ja schließlich Deutschland! Ich mein’, ich würde ja im GSM-Netz telefonieren, mir ein UMTS-Modem zulegen oder einen Internet-fähigen Kabelanschluss erwerben … wenn es das hier gäbe, gell. Oder ich lese mir die Berge an DSL-Werbung durch, die tagtäglich ins Haus flattern und erfreue mich an deren schönem Aussehen, auch wenn der Sender wohl einen am Absender hat. Oder ich gehe mal wieder in den T-Punkt und lasse mir Sprüche wie “Wie, sie haben noch kein DSL? Das würde ich aber beantragen, das ist sonst doch viel zu langsam und macht gar keinen Spaß! Wie wäre es mit T-DSL 2000?” reindrücken. Und wenn gar nichts mehr hilft unterhalte ich mich gerne auch wieder mit den netten Telefonisten: “Hallo, XY-Internet hier! Ich habe ein großartiges Angebot für Sie, da ich gesehen habe, dass sie noch gar keinen DSL-Anschluss besitzen. Damit auch Sie schnell im Internet unterwegs sind, haben wir unsere Preise gesenkt und das perfekte DSL-Paket für Sie im Angebot!” – hach, was hatte ich da schon einen Spaß.

Puh, das musste mal wieder sein. Und das reicht jetzt auch erst mal wieder für ein Jahr, bis ich den nächsten Rechner fröhlichsts auf die Straße getreten hab ;-). In diesem Sinne…

Schmalbandsurfen fügt Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu.

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